Wartepunkte für das Referendariat: So funktioniert die Platzvergabe
Du hast dein Lehramtsstudium erfolgreich abgeschlossen und möchtest nun endlich ins Referendariat (den Vorbereitungsdienst) starten. Doch gerade in beliebten Bundesländern oder bei bestimmten Fächerkombinationen ist ein sofortiger Platz nicht immer garantiert. Oft gibt es mehr Bewerber als freie Seminarplätze.
Wenn das passiert, kommen die sogenannten Wartepunkte ins Spiel. Aber wie genau funktioniert das Vergabeverfahren? Wie sammelst du Wartepunkte und was kannst du tun, um deine Chancen auf deinen Wunschort zu verbessern? Wir bringen Licht ins Dunkel der Platzvergabe.
Wie läuft das Vergabeverfahren ab?
Die Vergabe der Referendariatsplätze wird von den jeweiligen Bundesländern (bzw. den Bezirksregierungen) zentral gesteuert. Auch wenn sich die genauen Quoten je nach Bundesland (z. B. NRW, Bayern oder Niedersachsen) leicht unterscheiden, erfolgt die Platzvergabe meist nach drei Hauptkriterien:
- Examensnote (Leistungsprinzip): Ein Großteil der Plätze wird strikt nach der Note deines Studienabschlusses (Master of Education oder Erstes Staatsexamen) vergeben.
- Härtefälle und Sozialpunkte: Bewerber mit Schwerbehinderung oder außergewöhnlichen sozialen Härtefällen werden vorrangig berücksichtigt. Auch familiäre Bindungen (z. B. Pflege von Angehörigen, eigene Kinder, Ehe) geben Sozialpunkte, die dir bei der Zuweisung an einen bestimmten Wunschort helfen.
- Wartezeit: Die restlichen Plätze werden an Bewerber vergeben, die bereits Wartepunkte gesammelt haben.
Was sind Wartepunkte und wie sammle ich sie?
Einen Wartepunkt erhältst du in der Regel immer dann, wenn du dich form- und fristgerecht für das Referendariat beworben hast, aber aufgrund von Platzmangel eine Absage (einen Ablehnungsbescheid) bekommst.
Für jeden erfolglosen Bewerbungsdurchgang wird dir ein Wartepunkt gutgeschrieben. Je mehr Wartepunkte du hast, desto weiter rutschst du auf der Liste nach oben. Beim nächsten Einstellungstermin werden dann die Bewerber mit den meisten Wartepunkten zuerst zugelassen. Wichtig: Du musst dich oft für jeden Einstellungstermin aktiv neu bewerben oder deine Bewerbung aufrechterhalten, um die Punkte weiter zu sammeln!
Fächer mit Mangelbedarf: Die Überholspur
Hast du eine Fächerkombination studiert, an der extremer Mangel herrscht (z. B. Physik, Informatik, Kunst oder Musik), spielen Wartepunkte für dich oft keine Rolle. Mangelbedarf-Fächer werden bei der Platzvergabe in den meisten Bundesländern bevorzugt eingestellt, unabhängig von der Examensnote.
Wartezeit sinnvoll nutzen: Vertretungsunterricht und Versicherungen
Ein halbes oder ganzes Jahr auf das Referendariat zu warten, ist ärgerlich, bietet aber auch Chancen. Viele angehende Lehrer nutzen diese Zeit, um als Vertretungslehrkraft an einer Schule zu arbeiten. So sammelst du wertvolle Praxiserfahrung und verdienst dein erstes eigenes Geld.
Achtung bei den Versicherungen: Wenn sich dein Referendariat verzögert, verschiebt sich auch deine Verbeamtung auf Widerruf. Dadurch bleibst du zunächst in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Nutze diese Wartezeit unbedingt, um dir bereits einen Optionstarif oder eine Anwartschaft für die spätere private Krankenversicherung (PKV) zu sichern. So stellst du sicher, dass dein Gesundheitszustand eingefroren ist und dir später keine gesundheitlichen Steine in den Weg gelegt werden.
Gut vorbereitet ins Referendariat starten
Du steckst in der Warteschleife oder hast deinen Platz endlich sicher und fragst dich, wie es jetzt mit Beihilfe, PKV und Diensthaftpflicht weitergeht? Wir beraten dich und zeigen dir, welche Schritte jetzt wichtig sind.
Bekomme ich Wartepunkte, wenn ich mich gar nicht bewerbe?
Nein. Um Wartepunkte zu sammeln, musst du dich für den jeweiligen Einstellungstermin fristgerecht mit allen Unterlagen beworben haben und offiziell abgelehnt worden sein.