Reform des Referendariats in Berlin – eine Blaupause?

Wenn du in Berlin dein Referendariat machst, könnte sich deine Ausbildung ab August deutlich verändern – und genau das sorgt bei vielen angehenden Lehrkräften für großen Unmut.

Geplant ist, dass du künftig bis zu zwölf statt bisher zehn Wochenstunden eigenverantwortlich unterrichtest. Gleichzeitig sollen die Fachseminare nur noch halb so häufig stattfinden. Die Ausbildung soll damit stärker direkt an die Schulen verlagert werden. Neue Qualifizierungslehrkräfte sollen dich dort begleiten und unterstützen.

Grundsätzlich finden viele Referendarinnen und Referendare mehr Praxisnähe sinnvoll. Das Problem: Schon heute besteht ein großer Teil der Ausbildung aus selbstständigem Unterricht. In einer Befragung gaben die Teilnehmenden an, dass von zehn Ausbildungsstunden durchschnittlich 8,6 Stunden auf vollständig eigenverantwortlichen Unterricht entfallen. Für Hospitation und angeleiteten Unterricht bleibt dagegen nur wenig Zeit.

Mehr als 90 Prozent der Befragten lehnen deshalb die geplante Erhöhung auf zwölf Unterrichtsstunden ab. Sie befürchten, dass der ohnehin bestehende Lehrkräftemangel zunehmend auf dem Rücken der angehenden Lehrkräfte ausgeglichen werden soll – und dass wichtige Ausbildungszeit zu zusätzlicher Arbeitszeit wird.

Besonders kritisch sehen viele die geplante Kürzung der Fachseminare. Für rund 60 Prozent der Befragten ist gerade der Austausch mit anderen Referendarinnen und Referendaren einer der wertvollsten Teile ihrer Ausbildung. Gleichzeitig berichten 97 Prozent, dass sie aktuell keinen oder höchstens einen freien Tag pro Woche haben.

Die Kritik richtet sich deshalb nicht grundsätzlich gegen mehr Praxis. Viele wünschen sich vielmehr eine Reform mit mehr qualifizierter Anleitung, Hospitation, Coaching und Austausch. Ihre Sorge ist, dass die geplante Reform vor allem mehr Unterricht bringt, während die eigentliche Ausbildung zu kurz kommt.

Die zentrale Frage lautet deshalb: Wird das Referendariat wirklich besser – oder werden angehende Lehrkräfte vor allem stärker als Personalreserve eingesetzt?